Beerdigung von Bernhard Kakcmirinzsecky - unser Kumpel von Prosper II

 

Eine ergreifende Trauerfeier auf dem Kommunalfriedhof in Bottrop wird mir für immer im Gedächtnis bleiben. Unvergessen war die erschütternde Rede des 2. Betriebsrats-Vorsitzenden Anton Pachulke, die ich hier im vollen Wortlaut wiedergebe:    " Meinen lieben Birnhard, nun liegse hirr in kieler Erde. Der Job hat Dich kaputt gemacht, und nich, wie alle von Deine Sauf-Kumpels Dich immer noch nachsagen, dat dat die vielen  Bierkens und die Kurzen waren,  die Dich hier unter der Erde gebracht haben.- Hiermit ruf  ich alle auf, datse hirr und heute an dat offen Loch treten und Dich nochmal direkt innet  Gesicht sagen, datte einen alten Saufkopp biss.-  Siehse, lieben Birnhard, da is nich Einen, der auf Dir gezeicht hat un Dich watt will. Dat kann Dich da unten an Deinen Feiertag so richtig freuen. Als die Kumpels zu mich sachten, dat ich für Deine Ehre eine Festrede reden muß, hab ich ers gedacht, Mensch Anton, für den lieben Birnhard immer, aber, wenn dat man gutgeht, hab ich zu meine Else vermerkt.  Und so isset für mich en richtigen Klops, in diesen erlauchten Kreis zu proklamieren, wat Du fürn töften Kumpel wars, - eben Einen von uns. Dann hab ich ersmal bis jetz krankgefeiert, weil mich dat mit de Rede und dat alles Tragische mit Dich so richtig an de Nieren geht und  auffen Darm schlägt, denn sowat machse ja nich alle Tage. Ich hab natürlich die ganze schöne Ansprache immer meine Else vorgelesen, datt Du nich und einer von die Kumpels wat von meine Worte innen falschen Hals kriechs un die ganze Zeche über mir herfält. Besonders die Oberen vonnen Pütt, dat sind ja immer so feine Pinkels un kucken uns meistens mitten Arsch nich an. Wenne wat mit Einen von den Direktorens hattes, hasse immer sofort sonnen Hals gekricht, aber bei di kannse ja nix machen.  Wennse nun hier so vor uns liechs, sollen Alle wissen, wat fürne steile Karrere Dich beschieden war. Weisse noch? Mitten im Betriebsrats -Wahlkampf, fiel Dich der schwere Preßlufthammer auf Dein linken Fuß - und alle sachten, dat mit seinen Knochen wird nix mehr, den Birnhard  kannsse vergessen. Aber dann hättse mal sehen sollen, wat Solidarität tut. Alle kuckten sich in den Augen - den Birnhard kannsse nich so hängen lassen, - un so bis Du, unsern lieben über de Reserveliste innen Betriebsrat gekommen. Jahre hasse Dir vorher noch vor Ort kaputt malocht und von jetz an, lieben Birnhard, warsse von Arbeiten ab.  Und dann hasse Dich steil nach oben gekämpft - bis zu einen 3. Stellvertreter hasset geschafft. - Und immer bisse Kumpel geblieben - jeden, der zu Dich hinkam, hasse als erstes Einen eingeschüttet - und dabei blieb es meistens nich. - Wir müssen den Staub wegspülen, bevor er innen Hals trocknen tut - hasse immer gesacht. Du hass Dich niemals kurrupiern lassen - un auf Deine Kumpels hasse nix kommen lasse.  Immer warse ne ehrliche Haut. Ein Mutterklötzken pro Schicht hasse immer gesacht, dat kann den Pütt allemalen ab, obwohlse in Deine hohe Position Du Dich ne ganze Karre  hättest zu Hause kommen lassen können. Aber Deine Else sachte immer, bleib mich mit die Klötzkes vom Hals.  Und jeden Monat, wenn ich mit de Gewerksschaft-Klebemarken für de Sterbekasse kam, war dat immer dat Selbe. - Setzt Dich ersmal, bevor de klebst, wir trinken jetz aussem Pülleken en leckeres Pilsken, dann hasse auch mer Spucke für die Marken.  Und damit ich dat Wichtigste aus dein schönen Lebenslauf nich vergessen tu, Deinen Hummor nich unerwähnt lassen. Jedesmal auffe Schicht, hasse die Sache zu dat Beste gegeben, als der Paster von den Evangelen Dir fragte, watte vonnen Dokter Martin Luther häls un Du immer gesacht hass, ach, - gehen Se mich doch mitte Vertrauensärzte weg.  Dann hasse Dich selbs jedesmal halb kaputt gelacht, bis dich die Tränen vonne Backe liefen.  Lieben Birnhard, dat hasses auch verdient, datte da unten trocken liechst, wenn wir hier oben im Regen stehen, besonders die Kumpels, die Du nich abkannst. Vor allen, wennse Dir unseren 1. Vorsitzenden ankukst, dann kannste Dich da unten innet Fäustken lachen, wie sauer der is, datt er hier für Dich rumstehen muß und als Letzten auch noch wat Gutes für Dich sagen muß. Denn vorher kommt noch der Paster mit sein frommes Gedöns anne Reihe dran, wenn ich fertig bin. Wie oft hasse zu mich gesacht, Anton, datte austreten ausse Kirche tun wolltest, aber dann sachtste immer, son Patörken is ja auch nur en armen Teufel. Und dat zeicht Dein großes Herz.   Nun, meinen lieben Birnhard, jetz komm ich zu Dein letztes Stündlein. Wie seit Jahren, saßen wir morgens in Dein Büro und spielten Skat um en Zehntel. Diesmal war et ne Ramschrunde mit Kontra, Re und Bock. Plötzlich saße da wie son Ölgötze und ich sachte noch - Birnhard  - is wat?  -  und Du sachste noch, ich hab nen Grand-Hand mit alle Vieren auffe Faust und ich mach Euch Schneider. Dann packtest Du Dich annet Herz und fiels vom Stuhl. Ich will et nich beschwören, aber ich mein, Du hättest noch gesacht, - Scheiße, ausgerechnet, jetz. - Siehse, lieben Birnhard, so hasse also Glück im Unglück gehabt. Wir hatten noch nich abgerechnet mitte zehntel Cents, leider ohne Deinen Grand-Hand -  nix für ungut -, da kam auch schon die Werksfeuerwehr und brachte Dir innet Bergmanns-Heil  und da wollte Dich doch tatsächlich ein sogenannten Vertrauensarzt noch ne total kaputte  Leber anhängen. Aber da hätttste uns mal sehen müssen, wie wir den zur Sau gemacht haben.  Dabei war et doch deine Pumpe, die dich so zugesetzt hat. Dann kam noch son Urerloge un wollte dir noch auf Prostata behandeln, obwohl alles schon steif war. Jetz isset aber Pannas am Schwenkmast, - watten Scheiß machense denn mit unser Birnhard, haben wir alle gesacht un jetz lasst den auffe Stelle so liegen, denn da is nix mehr zu bekucken mit den. Jetz schreiben Se unser Kumpel sofortens kaputt, sonns bisse die längste Zeit Vertrauensdoktor vonne Knappschaft gewesen. Lieben Birnhard, nah siehse mit Deine Pumpe war nix mehr zu machen. Aber lasset dich gesacht sein, einmal müssen wir alle den Hintern zukneifen, wie man so schön sacht un dat versteht keinen besser als Du.   Dann haben wir beim Bierken gedacht, wat soll denn nu aus seine Erna werden un, wo die noch so gut drauf is un wie bringen wir die dat denn bei, dat die nich auch noch en Schlach kriecht. Ich hab dat Unglück dann auf mir genommen un nachen paar Schnäpskes zum Mut antrinken, bin ich zu sie hin un hab zu die Erna gesacht, dat mit deinen Birnhard, verstehse, dat gibbt nix mehr, den kannse vergessen. Als seine Witwe musse ab heute anne Rente denken, sons siehs lecker aus, denn dat hasse in Deine jungen Jahre nich verdient. Ich bab noch gesacht, datse die Erna nich die Unfallrente geben wollen. Jetz kämpfen wir ersmal für Deine Erna ihre Unfallrente für Dein tragisches Ende, denn wie ich schon geredet hab, hat Dich Dein Job kaputtgemacht.   Wie ich ich mich eingangs schon erklärt hatte, denn dann war dat so klar, wie Kloßbrühe, dat dat einen Betriebsunfall am Arbeitsplatz angefallen war. Wie ich schon bei meine ganze Ansprache mich erlaubt habe, kannse Gift drauf nehmen, dat wir für Deine saftige Rente für Deine Erna, von die de nun nix mehr has, ich mein vonne Rente, uns innet Zeuch legen. Lieben Birnhard, liebe Erna und liebe Kumpels von Prosper II, ich komme an dat Ende von meine Festansprache an Deinen besonderen Ehren- und Feiertag. Wir alle freuen uns, daß wir hier und heute im Kreise mit Dich feiern durften, wenn wir auch oft mehr zu Lachen hatten, als gerade heute, an diesem hehren Tag. Jetz aber steht Dich noch eine schwere Prüfung bevor- und dat is dat Gelabere von unseren  1. Vorsitzenden, den Du auffen Tod nich ausstehen kannst. Lieben Birnhard, laß Dich von mich noch einen guten Rat geben, dreh Dich in Deine Kiste einfach um und halt Dich beide Ohren zu. Ich sach Dich, wennet vorbei is.  Vielleicht, lieben Birnhard, kommen Dich auch, wie mich, die Tränen, wenn wir gleich anstimmen, wie nach jede Betriebsrats-Sitzung, nur dat wir hier an Deine Gedenkstätte leider keine Bierkes und Kurze haben, ----- Wann wir schreiten Seit an Seit und die alten Lieder singen.......!  un jetz forder ich als Höhepunkt von diese gelungen Verantaltung an Alle auf, als Zugabe dat Lieblings-Lied von unsern lieben Birnhard anzustimmen:   ----- Brüder, zur Sonne zur Freiheit--------  Wenn nun die schönen Weisen an diesen Sterbe-Ort für immer verklungen sind un Du zu Deine letzte Schicht inne Grube fährs, so ruf ich Dich mit Deine liebe Erna  und meine Else und die ganzen Kumpels von Prosper II für Dich ein dreifaches -   fröhliches  GLÜCKAUF zu."   dreifaches -   fröhliches  GLÜCKAUF zu."   ddreifaches -   fröhliches  GLÜCKAUF zu."